Kiefermuskulatur entspannen: Warum sich dein Kiefer in den Wechseljahren oft verspannt + 10 Min. Übung

Mira Kuntner
9. März 2021

Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026

 Kiefermuskulatur in 10 Minuten entspannen

Wichtig: Bewegung klein halten und Massage sanft ausführen. Weniger ist hier viel mehr, denn auf den starken Druck können die Muskeln mit noch mehr Verspannung reagieren.

Kieferschmerzen & Hormone: Warum Östrogenmangel zu Verspannungen führt

In diesem Artikel habe ich meine bewährten Kiefer-Übungen um die neuesten Erkenntnisse aus der Hormonforschung 2026 ergänzt, um dir noch gezieltere Hilfe in den Wechseljahren zu bieten. Als ich diesen Artikel 2021 verfasst habe, habe ich mich eher auf das Mechanische konzentriert: welche Kräfte am Kiefer zehren, welche Verbindungen vom Kiefer zu anderen Strukturen im Körper gibt es. Aber je mehr ich mich mit Wechseljahren und deren Wirkung auf den Frauenkörper beschäftige, desto mehr verstehe ich, welche Wirkung Hormone auf unsere Muskeln, Faszien und Knochen haben. Wusstest du, dass dein Kiefergelenk eines der hormonabhängigsten Gelenke deines Körpers ist? Forschung zeigt, dass sich im gesamten Bereich des Kiefergelenks (TMJ) zahlreiche Östrogenrezeptoren befinden. Wenn in den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt, hat das eine direkte Auswirkung auf deinen Kiefer:

  • Fehlendes „Gleitmittel“: Östrogen sorgt normalerweise für die Hydrierung und Schmierfähigkeit des faszialen Gewebes rund um das Gelenk. Dazu gehören: sind Sehnen und Ligamente, die rund um Gelenk sind, die Gelenkkapsel selbst und die Discs, die wir im Kiefergelenk haben. Aber auch die Synovialflüssigkeit, die in der Gelenkkapsel drinnen ist. Mit dem niedrigen Östrogenspiegel wird dieses gesamte Gewebe im Kiefer starr, trocken, unelastischer und brüchig. Es wird auch weniger Synovialflüssigkeit produziert – das ist eine Art „Schmiere“, die direkt im Gelenk sich befindet und für geschmeidige Bewegung sorgt.
  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit: Hormone regulieren auch unsere Schmerzschwelle. Sinkende Spiegel können dazu führen, dass du Verspannungen, die früher kaum aufgefallen sind, plötzlich als intensiven Schmerz wahrnimmst.
  • Entzündungsneigung: Ein niedriger Östrogenspiegel kann entzündliche Prozesse im Gelenk begünstigen, was das typische „Knacken“ oder morgendliche Steifheit verstärkt.
  • Zahnfleischprobleme: In den Wechseljahren wird deutlich weniger Speichel produziert, ein trockener Mund bedeutet mehr Zahn- und Zahnfleisch-Krankheiten.

Laut diesen Experten ist diese Östrogen-Empfindlichkeit einer der Gründe, warum doppelt so viele Frauen als Männer von Kieferverspannungen betroffen sind.

Woran du eine Kieferverspannung (CMD) erkennst: Typische Symptome

Verspannte Kiefermuskulatur ist nur einer der Symptome der Craniomandibulären Dysfunktion (CMD). Menschen mit CMD können auch Folgendes haben:

  • Schmerzen in der Kaumuskulatur
  • Gesichtsschmerzen
  • Einschränkungen bei der Mundöffnung
  • „Knacksen“ im Kiefergelenk
  • Kopfschmerzen
  • Nacken- und Schulterschmerzen

Warum beißt du dich durch? Die 3 häufigsten Ursachen für Kieferschmerz

Ursachen der Kieferverspannungen sind sehr vielfältig, zum Beispiel:
  • Zahnfehlstellung
  • Unausgeglichene Körperhaltung
  • Stress und hohe psychologische Belastung
  • Neurologische Krankheiten
  • Hormonschwankungen
  • Gewohnheiten (wie zum Beispiel die Zähne fest zusammenzubeißen bei einer Kraftanstrengung.)

Generell scheint es eine Kombination mehrerer Ursachen zu sein, die auf die Entwicklung der schmerzhaften Kieferverspannungen einen Einfluss haben. Früher hat man auf die physischen Ursachen, wie Zahnfehlstellung, getippt. Mittlerweile ist es ein Konsensus, dass es nicht so ist.

Die Kiefer-Beckenboden-Verbindung: Wie deine Faszien dich von Kopf bis Fuß stützen

Der Kiefer, mit umliegenden Muskeln und Faszien und Nerven, ist ein komplexes System, das zusammen mit anderen Systemen im Körper arbeitet. Dadurch, dass die Muskeln, Faszien, Nerven und Arterien einander beeinflussen, liegt das Problem oft nicht dort, wo es schmerzt. Stell dir vor, dein Körper ist wie ein Salatkopf.  Die äußeren Blätter repräsentieren deine Haut. Die darunter liegenden – die oberflächlichen Muskeln.  Und wenn du ganz im Inneren des Salatkopfs bist, findest du den „Strunk“, der den Salat zusammenhält. So ein Strunk sind bei uns die Muskeln und Faszien, die unseren Torso, inneres Becken und Innenschenkel ausfüllen — unser wahres „Core“.

Dieses „Core“ aus tiefsten Muskeln und Faszien hilft dir aufrecht zu stehen, stabilisiert deinen Körper und macht bei jeder Bewegung mit. Diese Muskeln sind für unsere Körperhaltung verantwortlich.

 

Kiefer-Beckenboden Verbindung via Faszien

Kiefer-Beckenboden Verbindung. Das Bild wurde mit freundlicher Genehmigung von Anatomy Trains verwendet.

Diese Muskeln gehören dazu:

  • Temporalis und Masseter (Kaumuskeln und Schläfen-Muskeln)
  • die Muskeln und Faszien, die den Brustkorb und Hals ausfüllen
  •  Zwerchfell
  • Psoas
  • Beckenboden
  • Adduktoren
  • die tiefen Unterschenkel- und Fuß-Muskeln

Tom Myers nennt es „Tiefe Frontale Linie”.Diese Muskeln arbeiten zusammen, um unseren Körper bei verschiedenen Bewegungen zu stabilisieren. Sie sind quasi Glieder einer Kette, und wenn ein Glied nicht so, wie vorgesehen, arbeitet, müssen andere Glieder mehr arbeiten. In dieser Kette spielt das Team Zwerchfell-Beckenboden eine ganz wichtige Rolle bei der Stabilisierung des Rumpfes. Wenn wir Sachen heben, werfen, von uns wegdrücken, stabilisieren diese zwei Muskeln zusammen mit den Transversus Abdominis und tiefen Rückenmuskeln unsere Körpermitte.

Durch viel Sitzen, Schwangerschaften, Geburten, falsches Stuhlverhalten, hormonelle Umstellung in den Wechseljahren wird unser Beckenboden belastet. Durch schlechte Körperhaltung im Sitzen und geschlossenen Brustkorb wird unser Zwerchfell eingeklemmt. Dann kann dieses Zwerchfell-Beckenboden-Team die Körpermitte nicht mehr richtig stabilisieren.

 

 

Warum beißt du dich „durch“?

Besonders in den Wechseljahren wird dein Beckenboden durch hormonelle Umstellungen zusätzlich belastet. Wenn dieses Team aus Zwerchfell und Becken deine Körpermitte nicht mehr stabil halten kann, springt dein Kiefer als „Ersatz-Stabilisator“ ein. Du beißt unbewusst die Zähne zusammen, um deinem Körper den Halt zu geben, der von unten fehlt.

Deine Lösung für einen freien Kiefer

Eine starke und geschmeidige Haltungskette entlastet dein Gesicht sofort. Damit du dieses Fundament wieder aufbauen kannst, habe ich einen kostenlosen 3-Wochen-Plan für deinen Beckenboden entwickelt. Er zeigt dir, wie du die tiefe Kette stärkst, damit dein Kiefer endlich die Erlaubnis bekommt, lockerzulassen.

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Kiefermuskulatur nachhaltig entspannen: Dein Fahrplan für mehr Geschmeidigkeit

Das Übungsvideo oben schenkt dir schnelle Erleichterung. Doch für eine Wirkung, die bleibt, müssen wir an die Ursachen. Die Wissenschaft bestätigt heute: Die Kombination aus gezielten Kiefer-Impulsen und einem ganzheitlichen Haltungstraining ist bei Kieferschmerzen (CMD) oft wirksamer als eine reine Schutzschiene aus Kunststoff.

In meinem Online-Studio, dem Bleib dran Club, lernst du genau diesen ganzheitlichen Weg. Wir kombinieren die Programme „Entspannter Kiefer“ und „Fitter Beckenboden“, um deine Faszien geschmeidig zu halten und deinem Körper die Stabilität zurückzugeben, die er gerade jetzt braucht.

Schluss mit dem „Durchbeißen“ – lass uns gemeinsam für mehr Leichtigkeit sorgen.

Quellen- und Bildnachweis:

Das „Deep Front Line“ Bild wurde mit freundlicher Genehmigung von Anatomy Trains verwendet.

  • Kapos FP, Exposto FG, Oyarzo JF, Durham J. Temporomandibular disorders: a review of current concepts in aetiology, diagnosis and management. Oral Surg. 2020 Nov;13(4):321-334. doi: 10.1111/ors.12473. Epub 2020 Jan 25. PMID: 34853604; PMCID: PMC8631581.
  • Schiffman EL, Velly AM, Look JO, Hodges JS, Swift JQ, Decker KL, Anderson QN, Templeton RB, Lenton PA, Kang W, Fricton JR. Effects of four treatment strategies for temporomandibular joint closed lock. Int J Oral Maxillofac Surg. 2014 Feb;43(2):217-26. doi: 10.1016/j.ijom.2013.07.744. Epub 2013 Sep 14. PMID: 24042068; PMCID: PMC3946573.
  • Slade GD, Fillingim RB, Sanders AE, Bair E, Greenspan JD, Ohrbach R, Dubner R, Diatchenko L, Smith SB, Knott C, Maixner W. Summary of findings from the OPPERA prospective cohort study of incidence of first-onset temporomandibular disorder: implications and future directions. J Pain. 2013 Dec;14(12 Suppl):T116-24. doi: 10.1016/j.jpain.2013.09.010. PMID: 24275219; PMCID: PMC3857103.
  • Sipilä K, Zitting P, Siira P, Laukkanen P, Järvelin MR, Oikarinen KS, Raustia AM. Temporomandibular disorders, occlusion, and neck pain in subjects with facial pain: a case-control study. Cranio. 2002 Jul;20(3):158-64. doi: 10.1080/08869634.2002.11746206. PMID: 12150261.

 

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