Warum tun in den Wechseljahren die Gelenke und Muskeln weh?
Faszien reagieren auf den Abfall des Östrogenspiegels und verändern ihre Zusammensetzung. Es werden weniger elastische Kollagen-Fasern und körpereigenen Hyaluron produziert. Dadurch wird Faszie (die auch die Sehnen und Gelenkkapsel einschließt) brüchig und trocken. Deshalb verletzt du dich jetzt leichter und hast entzündungsähnlichen Schmerzen, die oft durch den ganzen Körper wandern (Schmerzen überall).
Wechseljahre vs. Menopause
In den Wechseljahren verändert sich das ausgeglichene Verhältnis zwischen den zwei Hormonen: Östrogen und Progesteron. Während der fruchtbaren Jahre wurde dieses Verhältnis durch Follikelreifung und den menstruellen Zyklus geregelt. Wenn die Anzahl der Eizellen weniger wird, gerät dieses delikate Gleichgewicht ins Wackeln und die Hormone fangen einen wilden Tanz an, bis sie allmählich sich auf einem sehr niedrigen Niveau in der Menopause einpendeln.
So kannst du sie auseinanderhalten:
- die Zeitspanne, wenn sich der Hormonspiegel verändert, sind die Wechseljahre, sie dauern einige Jahre
- Menopause ist dagegen nur ein Zeitpunkt, den man rückwirkend feststellen kann, nach dem du 12 Monate keine Blutung gehabt hast.
Die Rolle der Östrogen-Rezeptoren in deinen Faszien
Wusstest du, dass deine Muskeln und Faszien Hormonrezeptoren besitzen? Damit können sie auf die Veränderung des Hormonspiegels in deinem Körper reagieren.
Faszien reagieren auf die Veränderung des Östrogenspiegels. Dieses Zusammenspiel ist sehr kompliziert: schon während eines normalen Zyklus, innerhalb von Tagen, verändert sich die Zusammensetzung der Faszie.
Eine größere Hormonumstellung, wie in der Schwangerschaft oder Wechseljahren, verändert die Faszie massiv. Die Faszie wird tagtäglich mit der Hilfe der Fibroblasten umgebaut. Es sind Zellen, die neue Kollagenfasern produzieren.
Fibroblasten lesen den Östrogenspiegel ab und entscheiden, was zu tun ist. Ist der Spiegel hoch, werden die Kollagenfasern des Typ 3 produziert, sie machen das Gewebe elastisch. Ist der Östrogenspiegel niedrig, produzieren Fibroblasten vermehrt die Fasern des Typ 1, was die Faszie steif und unelastisch macht. Du fühlst dich verspannt und steif.
In der späten Phase der Wechseljahre und nach der Menopause wird sehr wenig Östrogen im Körper gebildet. Das führt dazu, dass in der Faszie meistens nur unelastische Fasern produziert werden. Das bringt nicht nur Verspannungen, sondern auch Verletzungen, weil solche Faszie nicht nachgiebig ist. So kannst du dich durch einfaches Bücken plötzlich verletzen.
Die Sehnen, Gelenkkapseln und Ligamente gehören auch zur Faszie und werden von den Wechseljahren genauso beeinflusst. Also es ist kein Wunder, dass du in Wechseljahren die Schmerzen überall spürst.
Hyaluron, verklebte Faszien und Gelenkschmerzen
Muskeln und Wechseljahre
Zusätzlich dazu wirkt ein fallender Hormonspiegel in den Wechseljahren auf deine Muskeln. Ein niedriger Östrogenspiegel verursacht den Muskelabbau, hindert das Muskelwachstum und die Regeneration nach dem Training. Dadurch verlieren Frauen Muskeln viel schneller als die gleichaltrigen Männer.
Kombiniert mit niedrigem Progesteronspiegel führt es dazu, dass die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln nicht mehr so gut funktioniert wie früher. Das bedeutet, du fühlst dich schwächer, kannst schlechter die Muskeln aktivieren und dich leichter verletzen.
Blutgefäße und Östrogen
Also lass uns zusammenfassen, warum dir alles in Wechseljahren wehtut:
- in Wechseljahren sinkt der Hormonspiegel, vor allem Östrogen hat einen starken Einfluss auf Muskeln und Faszien
- Aufgrund niedriger Östrogenspiegel werden Faszien brüchig und spröde, Verletzungsgefahr steigt
- Es wird weniger körpereigenes Hyaluron produziert, Faszien verkleben, Gelenke werden schlecht geschmiert, Bewegungen werden mühsam – Verletzungsgefahr für Sehnen und Ligamente. Der Knorpel in den Gelenken leidet.
- Signalübertragung zwischen Muskeln und Nerven funktioniert schlechter, Muskelaktivierung funktioniert schlechter, manche Muskeln werden faul, andere müssen Doppelschicht schieben.
Das hilft gegen Verspannungen und muskuläre Schmerzen in Wechseljahren
- Bewege dich, gebe deinem Körper neue Impulse durch Training, weil das Gewohnte nicht mehr funktioniert. Pflege deine Faszien (zum Beispiel mit meinen Kursen in Bleib dran Club) die speziell darauf eingerichtet sind, Verklebungen zu lösen und Faszien geschmeidig zu halten.
- Hormone-Therapie: hier erzähle ich dir, wie es bei mir gewirkt hat
- Achte auf deine Ernährung, deine Muskeln, Faszien, dein Gehirn brauchen Nahstoffe, um zu arbeiten. Du musst essen. Durch hormonbedingtes Zunehmen neigen Frauen in Wechseljahren weniger als nötig zu essen, um abzunehmen. Aber das Prinzip „Calories in, calories out“ funktioniert in einem Frauenkörper nicht. Je weniger du isst, desto mehr versucht dein Körper zu sparen.
- Erforsche die Möglichkeiten, dein hormonelles System zu unterstützen, Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Mosconi schreibt mehr darüber in ihrem Buch „Das Gehirn in der Menopause“. Das Gehirn spielt in den Wechseljahren wichtige Rolle (aber nicht so, wie in „es ist alles nur ihrem Kopf“)


